Jürgen Kühn
Psychologe (M.Sc.) · Heilpraktiker für Psychotherapie
Meine Arbeitsweise
Eine Methode ist ein Werkzeug, kein Programm. Sie entscheidet nicht, wohin es geht – sie hilft nur dabei, dorthin zu kommen. Deshalb bekommen Sie bei mir kein Verfahren übergestülpt, in das Sie dann hineinpassen müssten. Wir schauen zuerst, was bei Ihnen ansteht, und suchen dann den Weg, der dazu passt.
Drei Verfahren tragen meine Arbeit – sowohl in der psychologischen Beratung als auch in der Psychotherapie. Das Gespräch bildet dabei immer die Grundlage; die beiden Formen der Verhaltenstherapie kommen dort dazu, wo sie am meisten bewirken.
Ergänzend arbeite ich bei Bedarf mit Entspannungsverfahren und mit EMDR beziehungsweise EFT, wenn eine belastende Erinnerung oder eine akute Anspannung schnell entlastet werden soll.
Das Herzstück
In einer Gesprächstherapie tauschen Sie sich mit mir in einem ganz normalen, vor allem aber echten Gespräch aus. Sie stehen dabei im Mittelpunkt und werden mit Wertschätzung behandelt – gleichzeitig führe ich Ihnen alles vor Augen, was Sie weiterbringen könnte. So finden Sie in jeder Sitzung ein Stück mehr zu sich selbst.
Ich arbeite in erster Linie mit der klientenzentrierten Gesprächstherapie nach Carl Rogers – einer der verbreitetsten Methoden überhaupt, deren Wirksamkeit wissenschaftlich gut belegt ist. (Vgl. Lutz, Klinische Psychologie – Intervention und Beratung, 2012, S. 58)
Klientenzentriert bedeutet: Sie mit Ihrer ganzen Welt stehen im Mittelpunkt. Und Gesprächstherapie bedeutet, dass Ihnen ein Gegenüber Akzeptanz und Einfühlung entgegenbringt, das auch selbst echt bleibt und über seine Eindrücke während der Sitzung sprechen kann.
Es wird Ihnen also nichts Fremdes aufgezwungen. Sie werden von dort, wo Sie gerade stehen, genau einen Schritt weitergebracht – und dann noch einen und noch einen, bis Sie Ihren Weg klar vor sich sehen und ihn gehen können. Wir konzentrieren uns dabei immer nur auf den nächsten Schritt. Das ist Ihre Sicherheit, dass er zu schaffen ist. Wie weit Sie gekommen sind, sehen Sie meist erst im Rückblick.
Und noch etwas ist mir daran wichtig: Sie werden dabei nicht abhängig von einem Therapeuten. Im Gegenteil – Ihr Selbstwertgefühl und Ihr Selbstbewusstsein werden Sitzung für Sitzung kontinuierlich gefördert und gestärkt.
Wie es wirkt
Der Kern dieser Methode ist das Widerspiegeln: Ich gebe Ihnen so viel wie möglich von dem zurück, was ich höre und wahrnehme. Das klingt unspektakulär – und ist doch einer der Gründe, warum diese Methode so erfolgreich ist.
Denn dadurch kann ich kaum in eine falsche Richtung laufen. Sie sehen entweder die eigentliche Ursache und manchmal sogar die Lösung selbst – oder Sie sehen, welche Steine Ihnen bisher in den Weg gekommen sind, und können daraus die nächsten Schritte ableiten. Dabei treten oft hinderliche Denk-Muster hervor, manchmal auch tiefer liegende Verletzungen. Beides ist heilbar oder auflösbar.
Und wenn es einmal stockt, lege ich Ihnen immer wieder etwas Neues hin und schaue, ob Sie damit etwas anfangen wollen. Ich gehe dabei recht offen und direkt vor – das ist der Grund, warum es meist zügiger vorangeht, als viele erwarten.
Wenn man reflektiert, erscheint manches in anderem Licht.
Gedankenhygiene
Die kognitive Verhaltenstherapie gehört zu den erfolgreichsten und am besten erprobten Verfahren der modernen Psychotherapie – gerade dann, wenn zu viele oder zu negative Gedanken im Spiel sind. (Vgl. Margraf, Lehrbuch der Verhaltenstherapie, Bd. 1, 2018, S. 231)
Der Gedanke dahinter ist einfach: So, wie wir über uns und die Dinge denken, schaffen wir uns unsere Lebens-Umgebung. Der kleinere Teil davon ist das ausgesprochen negative Denken. Der größere Teil sind Denk-Muster, die schlicht nicht stimmen – Regeln, die wir irgendwann einmal übernommen haben und seither für wahr halten, ohne sie je wieder geprüft zu haben. Aus ihnen entstehen die belastenden Gefühle, nicht umgekehrt.
Von innen klingen solche Muster so vertraut, dass man sie gar nicht mehr als Sätze wahrnimmt:
„Das schaffe ich sowieso nicht.“
„Wenn ich um Hilfe bitte, zeige ich Schwäche.“
„Wenn ich Nein sage, mögen sie mich nicht mehr.“
„Wenn etwas schiefgeht, ist es immer meine Schuld.“
„Das war schon immer so und wird sich nie ändern.“
„Entweder ich mache es perfekt, oder ich lasse es ganz.“
Solche Sätze fühlen sich nicht wie Meinungen an, sondern wie Tatsachen. Sie sind uns so vertraut geworden, dass sie fast zur zweiten Haut gehören – und genau dort entfalten sie unbemerkt ihre Wirkung.
Sie kennen vielleicht die Kraft des positiven Denkens. So extrem müssen wir gar nicht vorgehen, denn das liegt auch nicht jedem. Es reicht, Ihre Gedanken neu zu bewerten und sich wieder an der Wirklichkeit zu orientieren statt an dem einseitigen, oft düsteren Bild, das Sie sich von ihr gemacht haben. Das ist natürlicher, ehrlicher – und meist geht es Ihnen schon dadurch besser.
Wenn Sie dann noch Ihre wirklichen Ziele wieder deutlicher wahrnehmen, verlagert sich Ihr Schwerpunkt ganz von selbst: weg von der Problemsicht, hin zu dem, was vor Ihnen liegt. Sehr hilfreich ist dabei, sich so oft wie möglich bewusst in die Gegenwart hineinzubegeben – mehr dazu auf den Seiten Kopflastigkeit verringern und Leben in der Gegenwart.
Die Energie fließt dorthin, wohin sich Ihre Aufmerksamkeit richtet.
Schritt für Schritt
Die klassische Verhaltenstherapie geht einen anderen Weg: Sie führt die Verbesserung Ihres Zustandes auf eine Änderung Ihres Verhaltens zurück. Entscheidend ist dabei ein einziger Punkt – dass es kein Vermeidungsverhalten mehr gibt.
Vermeidungsverhalten legen Sie zum Beispiel an den Tag, wenn Sie einem angstauslösenden Reiz einfach ausweichen. In diesem Moment ist die Angst weg, und es fühlt sich an, als wäre das Problem gelöst. Tatsächlich haben Sie nichts gewonnen außer einer kurzen Beruhigung – und einiges verloren: ein Stück Lebensqualität, und dem Problem haben Sie mehr Raum gegeben als vorher. Dort, wo die Energie hingeht, wächst etwas. In der Natur, in der Physik und in der Psyche.
Es kommt sogar noch etwas dazu: Wer erfolgreich vermeidet, wird darauf trainiert. Die innere Lehre lautet dann „Immer wenn ich ausweiche, passiert mir nichts“ – und die stimmt nur so lange, bis Ihnen der Reiz einmal ungeplant begegnet.
In einer Verhaltenstherapie lernen Sie deshalb, genau Ihre Angst besser kennenzulernen, statt sich weiter vor ihr zu drücken. Sie nähern sich der gefürchteten Situation in Schritten an, die Sie selbst mitbestimmen – bis sie ihre Wirkung verliert. Wir wählen diese Schritte bewusst so klein, dass Sie sie auf jeden Fall schaffen. Jeder einzelne wird dadurch zu einem Erfolgserlebnis, das Mut auf den nächsten macht. Und das Unwohlsein, das zwischendurch auftaucht, bauen wir ab, indem Sie es zulassen statt es zu bewerten – das nimmt ihm den Wind aus den Segeln.
Wenn Sie konsequent bleiben, sind Sie in nicht allzu langer Zeit bei dem Verhalten angekommen, das Sie sich gewünscht haben. Am häufigsten setze ich dieses Verfahren bei Ängsten, Panikattacken und sozialer Angst ein.
Vermeiden beruhigt kurz – und macht das Problem größer.
Darüber hinaus
Neben den anerkannten Verfahren haben sich über die Jahre eigene Schwerpunkte herausgebildet – aus dem, was in meiner Praxis immer wieder gebraucht wurde.
Wahrnehmungs-Training. Ein gezieltes Üben, wieder zu spüren statt nur zu denken. Es setzt genau an der Wurzel an, aus der die meisten Belastungen wachsen: dem Zuviel-Denken und dem Negativ-Denken. Ausführlicher beschreibe ich diesen Zusammenhang auf der Seite Kopflastigkeit verringern.
Den Zugang zur Gefühlsebene stärken. Bei manchen Menschen ist dieser Bereich im Leben schlicht zu kurz gekommen – dann wird der Weg zu echtem Glück und zu echtem Selbstbewusstsein schwer. Bei anderen ist das feine Empfinden vorhanden, wird aber von außen unterschätzt oder ausgenutzt. In beiden Fällen geht es um dasselbe: dieses eigentliche Ich wieder zu stärken – und darum, mit Wertschätzung behandelt zu werden, auch von sich selbst. Dazu passen die Seiten Selbstbewusster werden und Selbstliebe fördern.
Licht, Farbe und Ton in den Beratungsräumen. Die Räume meiner Praxis sind bewusst gestaltet. Das ist keine Dekoration, sondern Teil der Arbeit: Wer sich beim Hereinkommen wohlfühlt, kommt leichter bei sich an – und genau darum geht es in jeder Sitzung.
Das Wichtigste zum Schluss
Bei allen Verfahren gilt dasselbe: Ohne Sie geht es nicht. Ich kann Ihnen etwas hinhalten, zurückspiegeln, anbieten – hineingehen müssen Sie selbst.
„Ein Mensch ist psychologisch nicht ohne seine eigene Mitwirkung zu erreichen.“ (Biermann-Ratjen, Gesprächspsychotherapie, 2006)
Epiktet
Der erste Schritt