Jürgen Kühn
Psychologe (M.Sc.)
Worum es geht
Es geht hier nicht darum, schlagfertiger zu werden, souveräner aufzutreten oder Diskussionen zu gewinnen. Wer so etwas sucht, ist bei einem Rhetorik-Kurs besser aufgehoben. Hier geht es um das Gegenteil: um eine Sprache, die niemanden kleinmachen muss, um selbst vorzukommen.
Die meisten Gespräche scheitern nicht an fehlenden Argumenten. Sie scheitern daran, dass zwei Menschen über Vorwürfe reden statt über das, was sie eigentlich brauchen. Der eine geht in den Angriff, der andere macht dicht – und am Ende hat keiner bekommen, worum es ihm ging.
Ich arbeite mit der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg, auch einfühlsame Kommunikation genannt. Sie ist kein Trick und keine Höflichkeitsformel, sondern eine andere Art, Situationen zu betrachten, bevor man den Mund aufmacht. Wir erarbeiten sie im Einzelgespräch, an Ihren eigenen Situationen – nicht an Beispielen aus einem Buch.
Man kann seine Echtheit behalten und trotzdem niemanden niedermachen.
Erekennen Sie sich wieder?
Wenn ein Gespräch schiefgeht, geschieht das meist auf einem von zwei Wegen. Beide führen an derselben Stelle vorbei – und beide lassen sich verändern.
Eher zurückhaltend · nachgebend
Eher scharf · angreifend
Viele erkennen sich in beiden Karten wieder – je nachdem, wer ihnen gegenübersitzt. Das ist kein Widerspruch, sondern ein Hinweis darauf, dass es nicht um Charakter geht, sondern um erlerntes Verhalten.
Was darunter liegt
„Dir ist das doch völlig egal.“ – „Nie hörst du zu.“ Sätze wie diese sind Diagnosen über den anderen. Sie erzeugen zuverlässig Widerstand, weil niemand gern beurteilt wird. Und sie verschweigen genau das, worum es geht: dass jemand sich übersehen fühlt und Aufmerksamkeit braucht. Unter jedem Vorwurf liegt ein unerfülltes Bedürfnis – nur wird es selten ausgesprochen.
Ähnlich funktioniert Zorn. Er ist keine Charakterschwäche, sondern eine Kampf-oder-Flucht-Reaktion: Der Körper meldet Gefahr und stellt binnen Sekunden Energie bereit. Dafür reicht keine echte Bedrohung – es genügt, schroff behandelt, übergangen oder bloßgestellt zu werden. Dieser Erregungszustand hält an, oft länger als der Anlass, und er nährt sich selbst: Wer erregt ist, fühlt sich stärker und unverwundbarer, als er ist – und greift auf die einfachsten Reaktionen zurück, die er kennt.
Deshalb bringt es wenig, sich vorzunehmen, künftig ruhiger zu bleiben. Der Ansatzpunkt liegt früher: bei der Frage, was in diesem Moment eigentlich verletzt wurde – und wie man das sagen kann, bevor daraus ein Angriff wird.
Hinter jeder Aggression steht ein Thema, das verstanden werden will.
Die stillen Sätze
Diese Sätze werden fast nie laut ausgesprochen. Sie laufen vorher ab – und entscheiden bereits, wie das Gespräch ausgehen wird:
„Ich will einfach keinen Streit."
„Das bringt doch sowieso nichts."
„Immer bin ich es, der nachgibt."
„Der versteht mich ohnehin nicht."
„Wenn ich etwas sage, eskaliert es nur."
„Ich weiß gar nicht, wie ich anfangen soll."
Jeder dieser Sätze beendet ein Gespräch, bevor es stattgefunden hat. Im Einzelgespräch schauen wir uns an, woher sie kommen – und was stattdessen möglich wäre.
Der blinde Fleck
Wir haben in der Schule gelernt, Texte zu gliedern und Referate zu halten. Wie man einem Menschen sagt, dass man verletzt ist, ohne ihn dabei anzuklagen, stand auf keinem Lehrplan. Also übernimmt jeder das Muster, das er zu Hause gesehen hat – und wundert sich später, warum die eigenen Gespräche genauso verlaufen wie damals. Zwei Fähigkeiten fehlen dabei besonders häufig. Die eine ist das aktive Zuhören: dem anderen erkennbar zurückzugeben, was bei einem angekommen ist – nicht als Technik, sondern damit er überhaupt merkt, dass er gehört wurde. Die andere ist Empathie: mitzubekommen, was beim Gegenüber gerade los ist, ohne die eigene Position deshalb aufzugeben. Beides klingt selbstverständlich. Beides ist es nicht. Wo das Schweigen weniger mit Worten zu tun hat als mit dem eigenen Wert, führt der Weg über die Seite Selbstbewusster werden. Und wenn es vor allem in der Beziehung schwierig ist, finden Sie auf der Seite Partnerschaftsberatung mehr dazu.
Ein Streitgespräch gewinnt man am zuverlässigsten, indem man es überflüssig macht.
Mein Ansatz
Zuerst nur das, was tatsächlich geschehen ist – ohne Bewertung, ohne „immer“ und „nie“. Das allein nimmt den meisten Gesprächen schon die Hälfte ihrer Schärfe.
Dann das eigene Gefühl benennen – und zwar wirklich ein Gefühl, nicht einen versteckten Vorwurf. „Ich bin enttäuscht“ ist etwas anderes als „Ich fühle mich hintergangen“.
Unter jedem Gefühl liegt ein Bedürfnis: nach Verlässlichkeit, nach Ruhe, nach Anerkennung. Es zu kennen ist der eigentliche Schritt – oft ist er auch für einen selbst neu.
Zum Schluss eine konkrete, erfüllbare Bitte – keine Forderung. Der Unterschied ist größer, als er klingt: Eine Bitte darf abgelehnt werden. Genau das macht ein Ja wertvoll.
Ich verwende diesen Aufbau selbst jeden Tag – in Paar-Gesprächen ebenso wie in schwierigen Beratungssituationen. Er ist für mich unverzichtbar geworden, privat wie beruflich. Was Sie hier lernen, bleibt Ihnen: Sie können es später allein weiterverwenden, in der Partnerschaft genauso wie im Beruf.
Und wenn der andere nicht mitmacht?
Das ist die häufigste Frage – und die gute Nachricht lautet: Es genügt, wenn einer anfängt. Sobald ein Vorwurf ausbleibt, fällt auch die Verteidigung weg, und das Gespräch nimmt einen anderen Verlauf. Ihr Gegenüber muss von alldem nichts wissen.
Deshalb arbeite ich hier bewusst mit Ihnen allein. Sie brauchen niemanden zu überreden mitzukommen – und niemand muss erfahren, dass Sie daran arbeiten.
Was Sie gewinnen
Der Unterschied zeigt sich nicht in großen Aussprachen, sondern in vielen kleinen Momenten – in denen ein Gespräch nicht kippt, das früher gekippt wäre:
Und ganz nebenbei wächst dabei etwas, das niemand direkt trainieren kann: das Vertrauen in sich selbst.
Hermann Hesse
Der erste Schritt
Sie brauchen dafür keine große Vorbereitung – ein Gespräch, das zuletzt schiefgelaufen ist, genügt als Anfang. Ein paar Zeilen über das Kontaktformular reichen für die Terminanfrage. Wenn der Weg in die Praxis gerade nicht in Ihren Tag passt, beginnen wir per Telefon oder Video.