Ängste bewältigen
Es beginnt immer gleich – mit Hinsehen.
Jürgen Kühn
Psychologe (M.Sc.) · Heilpraktiker für Psychotherapie
Worum es geht
Angst ist ein Schutzmechanismus. Schwierig wird es erst, wenn er dort anspringt, wo keine Gefahr ist – und wenn er mehr verhindert als schützt.
Ich habe im eigenen Leben erfahren, wie stark Ängste das Handeln beeinflussen, ohne dass man es bemerkt. Genau das ist das Tückische an ihnen: Man erkennt sie oft gar nicht als Angst. Der Zustand, in dem man sich befindet, gilt einem längst als normal – oder man sucht die Erklärung für das unangenehme Gefühl im Außen. Beim Wetter, beim Schlaf, bei den anderen.
Dabei läuft im Hintergrund etwas mit, das Mühe kostet: Angst erzeugt chronischen, kaum spürbaren Stress, der auf Dauer sowohl seelisch als auch körperlich zehrt. Viele schämen sich zusätzlich noch dafür, als wäre Angst ein Zeichen von Schwäche. Ist sie nicht – Angst ist ein Schutzmechanismus, der irgendwann übereifrig geworden ist, mehr nicht. Das darf man sich ruhig öfter sagen, als man denkt.
Was man nicht als Angst erkennt, kann man auch nicht abbauen.
Erkennen Sie sich wieder?
Angst zeigt sich nicht bei allen gleich. Bei den einen läuft sie leise mit und färbt den Alltag ein, bei den anderen greift sie sichtbar ein und macht den Bewegungsraum kleiner. Schauen Sie einmal, welche der beiden Listen Ihnen näher ist.
Leise · im Hintergrund
Laut · einschränkend
Die erste Spalte ist meist ein Thema für die psychologische Beratung, die zweite eher für die Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz. Beide Wege gibt es hier – und häufig gehört beides zusammen.
Die vielen Gesichter
Manche Ängste haben einen klaren Gegenstand, andere keinen. Das macht einen großen Unterschied darin, wie man ihnen begegnet – deshalb schauen wir am Anfang immer genau hin, womit wir es zu tun haben.
Manche Ängste lassen sich klar benennen, andere nicht. Bei der sozialen Angst geht es um Menschen: um Blicke, um Bewertung, um das Reden vor einer Gruppe, manchmal schon um das Telefonat oder den Gang in ein volles Lokal. Panikattacken wiederum kommen scheinbar aus dem Nichts – Herzrasen, enger Atem, das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Was danach bleibt, ist oft das eigentliche Problem: die Angst vor der nächsten Attacke.
Dann gibt es die Angst ohne festen Gegenstand. Sie zeigt sich als Dauersorge, als Grübeln am Abend, als Anspannung, die einfach nicht nachlässt – und als die Gewohnheit, im Kopf schon einmal vorsichtshalber das Schlimmste durchzuspielen.
Und schließlich die Ängste, die niemand so nennt, weil sie so verbreitet sind: die Angst, nicht zu genügen. Nicht in Ordnung zu sein. Etwas falsch zu machen. Die Angst davor, was die anderen wohl denken. Sie stehen in keinem Befund, verengen ein Leben aber sehr zuverlässig – und sie hängen eng mit dem Selbstwertgefühl zusammen.
Wer als Kind vor allem funktionieren musste, verlernt mit der Zeit, nach den eigenen Bedürfnissen zu suchen – und lebt in einem Zustand der Anpassung, in dem man sich selbst mehr oder weniger verliert. Genau daraus entstehen später die Symptome des mangelnden Selbstwertgefühls – oft an Stellen, wo wir es nie vermutet hätten.
Die stillen Sätze
Diese Sätze werden selten ausgesprochen. Sie laufen so leise mit, dass man sie kaum noch als eigene Gedanken erkennt:
„Mit mir stimmt etwas nicht."
„Was, wenn es wieder passiert?"
„Was, wenn ich es nicht schaffe?"
„Alle merken doch, wie es mir geht."
„Ich muss auf alles vorbereitet sein."
„Lieber sage ich ab – dann passiert nichts."
Einmal ausgesprochen, verlieren solche Sätze sofort etwas von ihrer Selbstverständlichkeit. Das ist regelmäßig der erste Punkt, an dem spürbar etwas in Bewegung kommt – und der erste Moment, in dem Sie merken: Sie müssen das nicht länger allein tragen.
Mein Ansatz
Angst verschwindet nicht dadurch, dass man sich zusammenreißt. Sie
wird kleiner, wenn man sie versteht und ihr in Portionen begegnet, die
man tatsächlich tragen kann. Womit ich dabei im Einzelnen arbeite,
steht auf der Seite: Meine Methoden.
Im Gespräch tauschen wir uns darüber aus, wann die Angst entstanden ist, was sie am Leben hält und was Sie gerade wirklich brauchen. Ich spiegele Ihnen, was ich höre, und gebe viel Anregung dazu.
Wir nähern uns dem, was Sie meiden, in kleinen Etappen – erst im Kopf, dann im Alltag. Jeder Schritt ist so bemessen, dass Sie ihn schaffen. Überforderung würde die Angst nur bestätigen.
Angst ist immer auch körperlich. Mit Atem- und Entspannungsübungen lernen Sie, das Alarmsystem selbst herunterzufahren – ein Handwerkszeug, das Ihnen anschließend dauerhaft bleibt.
Kein Tempo, das Sie einhalten müssen
Viele denken, sie müssten sich „einfach überwinden“ oder die Sache schnell hinter sich bringen. Das Gegenteil hilft meist mehr: Angst baut sich am ehesten ab, wenn das Tempo zu Ihnen passt – nicht zu einer Erwartung, die Sie sich selbst machen. Manchmal braucht ein einzelner Schritt mehrere Sitzungen. Das ist kein Rückschritt, das ist der Weg.Was Sie gewinnen
Das Ziel ist nicht ein Leben ohne jede Angst – das Ziel ist, dass Sie wieder entscheiden, was Sie tun. Und nicht die Angst:
Grundsätzlich lassen sich die meisten Ängste verringern – und viele ganz auflösen.
Jürgen Kühn
Der erste Schritt
Sich zu einem ersten Gespräch zu überwinden, kostet bei diesem Thema besonders viel – das gehört zur Sache dazu. Erfahrungsgemäß nehmen die meisten schon aus der ersten Sitzung einiges mit, das sie gleich ausprobieren können. Wenn Ihnen der Weg in die Praxis am Anfang zu viel ist, beginnen wir das Gespräch von zuhause aus – per Telefon oder Video. Trauen Sie sich; auf Termine warten Sie hier nicht monatelang.