Soziale Angst

Unter Menschen sein,
ohne sich zu beobachten

Der Weg dorthin führt über den eigenen Selbstwert.

Jürgen Kühn

Psychologe (M.Sc.) · Heilpraktiker für Psychotherapie

Worum es geht

Die Angst, etwas Falsches zu sagen

Fast jeder kennt den Moment: Man wird angesprochen, alle schauen her – und im Kopf ist es auf einmal leer. Bei sozialer Angst bleibt es nicht bei diesem einen Moment. Die Furcht vor solchen Situationen läuft dauerhaft mit und meldet sich lange vorher: vor dem Telefonat, vor der Besprechung, vor dem Abend mit Leuten, die man kaum kennt.

Der Körper macht dabei sichtbar mit. Erröten, zitternde Hände, Schwitzen, eine Stimme, die nicht so trägt wie sonst. Und weil das sichtbar ist, kommt die zweite Angst gleich hinterher: dass man die eigene Unsicherheit nicht verbergen kann.

Woher das kommt, ist oft älter als die Situationen, in denen es auftaucht. Begünstigend wirkt ein Aufwachsen zwischen zu viel Behütung und zu wenig emotionaler Wärme – wer früh lernt, dass die eigene Wirkung auf andere über Zugehörigkeit entscheidet, prüft später jeden Satz zweimal. (Hoyer & Härtling, 2019: Soziale Angst verstehen und verändern). Das ist keine Schuldfrage, sondern eine Erklärung – und Erklärungen lassen sich bearbeiten.

Soziale Angst ist kein Charakterzug. Sie ist etwas Gelerntes – und damit auch wieder veränderbar.

Erekennen Sie sich wieder ?

Was sichtbar ist – und was nicht

Soziale Angst hat eine Seite, die andere mitbekommen, und eine deutlich größere, die niemand sieht. Meist ist die unsichtbare die anstrengendere.

Was andere sehen könnten

Spürbar · körperlich

  • Steigt Ihnen Röte ins Gesicht, sobald Sie im Mittelpunkt stehen?
  • Zittern Ihre Hände, wenn Sie etwas halten oder unterschreiben?
  • Beginnen Sie zu schwitzen, ohne dass es warm wäre?
  • Wird Ihre Stimme leiser, höher oder unsicher?
  • Weichen Sie dem Blickkontakt aus, obwohl Sie es nicht wollen?

Was niemand mitbekommt

Innerlich · seelisch

  • Gehen Sie Gespräche vorher im Kopf durch – und hinterher noch einmal?
  • Fragen Sie sich oft, wie Sie gerade gewirkt haben?
  • Sagen Sie lieber nichts, als etwas Falsches zu sagen?
  • Passen Sie Ihre Worte an, damit bloß kein Konflikt entsteht?
  • Sagen Sie Verabredungen ab, auf die Sie sich eigentlich gefreut hatten?

Der eigentliche Mechanismus

Warum Ausweichen die Angst größer macht

Was Sie vermeiden, um Ruhe zu haben, wird morgen ein Stück schwerer sein.

Unbewusste Denk-Muster

Was dabei innerlich mitläuft

Diese Sätze spricht man nicht aus. Sie laufen so leise mit, dass sie kaum noch als eigene Gedanken auffallen:

„Besser, ich halte mich raus."

„Was denken die jetzt von mir?"

„Gleich sage ich etwas Falsches."

„Alle merken, wie unsicher ich bin."

„Das hätte ich anders sagen müssen."

„Wenn ich widerspreche, mag man mich nicht mehr."

Von außen kommt dazu oft gut gemeinter Rat, der nichts besser macht: „Stell dich nicht so an." „Sei doch einfach du selbst." „Die anderen achten gar nicht auf dich." Solche Sätze verstärken vor allem das Gefühl, mit der Sache allein zu sein. Hier müssen Sie nichts erklären und nichts beweisen.

Wo die Arbeit anfängt

Es beginnt beim Selbstwert

Wer sich selbst nicht mehr infrage stellt, muss auch nicht mehr kontrollieren, wie er wirkt.

Mein Ansatz

Wie wir hier mit sozialer Angst arbeiten

1 · Den Kreislauf durchschauen

Zuerst machen wir sichtbar, welche Vermeidungen und kleinen Sicherheitsgesten die Angst am Leben halten. Vieles davon läuft so automatisch ab, dass es vorher gar nicht auffällt.

2 · Genauer hinsehen lernen

Ein Gefühl ist noch kein Beweis. Wir üben, zwischen dem zu unterscheiden, was Sie spüren, und dem, was tatsächlich passiert – und kommen so aus dem Entweder-oder heraus.

3 · Sprechen üben, bevor es ernst wird

Im geschützten Rahmen gehen wir schwierige Situationen durch und probieren Formulierungen aus. Dazu kommen Entspannungsübungen, die Sie kurz vorher anwenden können.

4 · Zurück in den Alltag

Zum Schluss kommt alles dorthin, wo es hingehört: in echte Gespräche, echte Termine, echte Begegnungen. Jede Etappe ist so bemessen, dass Sie sie schaffen – und jede zählt.

Was Sie dabei bereits gut können, bleibt nicht unerwähnt. Gerade die Bereiche, in denen Sie längst sicher unterwegs sind, sind der beste Beleg dafür, dass die Angst nicht die ganze Wahrheit über Sie erzählt.

Was Sie gewinnen

Wenn die Blicke anderer ihren Schrecken verlieren

Es kostet viel Kraft, sich in jeder Begegnung selbst zu beobachten. Der andere Weg ist angenehmer – herausfinden, woher das kommt, und es abbauen:

Sagen, was man denkt Nicht mehr jedes Wort vorher prüfen Blickkontakt halten können Zusagen, worauf man Lust hat Widerspruch aushalten Gespräche nicht mehr nachbereiten Sich im Mittelpunkt aushalten Wieder herzlich lachen können

Sie müssen nicht extrovertiert werden. Es reicht völlig, sich in der eigenen Haut wieder wohlzufühlen.

„Wir könnten viel Seelenfrieden haben, wenn wir uns nicht ständig um das Tun und Lassen anderer kümmern würden."

Thomas von Kempen

Der erste Schritt

Der Anfang darf leise sein

Ausgerechnet bei sozialer Angst ist der erste Schritt selbst schon eine soziale Situation – das ist mir bewusst. Deshalb darf er klein ausfallen: ein paar Zeilen über das Kontaktformular genügen. Wenn Ihnen der Weg in die Praxis zu Beginn zu viel ist, fangen wir per Telefon oder Video an. Auf Termine warten Sie hier nicht monatelang.