Panikattacken
Der Weg dorthin ist erstaunlich handfest.
Jürgen Kühn
Psychologe (M.Sc.) · Heilpraktiker für Psychotherapie
Worum es geht
Eine Panikattacke kommt scheinbar aus dem Nichts: Das Herz rast, der Atem wird eng, der Körper macht sich bereit zu kämpfen oder zu fliehen – nur ist da nichts, wovor man fliehen müsste. Häufig hängt sie mit einem Gefühl von Enge zusammen: im Raum, im Gedränge, im Leben.
Viele Betroffene fürchten in diesem Moment, verrückt zu werden. Das sind sie nicht. Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens eine Panikattacke zu erleben, liegt bei 9 bis 14 Prozent (Lieb & Wittchen, 2001: Lehrbuch Klinische Psychologie – Psychotherapie). Es ist also weder selten noch rätselhaft – und es ist gut behandelbar.
Das Unangenehme daran: Panik sucht sich Momente aus, in denen man sie überhaupt nicht brauchen kann. Beim Einkaufen, im Zug, im Meeting. Genau deshalb greift sie so tief in den gewohnten Tagesablauf ein – und erzeugt ganz nebenbei einen zermürbenden Dauerstress: die Anspannung, immer damit rechnen zu müssen.
Soziale Angst ist kein Charakterzug. Sie ist etwas Gelerntes – und damit auch wieder veränderbar.
Was sichtbar ist – und was nicht
Panik läuft auf zwei Ebenen gleichzeitig ab – im Körper und im Kopf. Beide verstärken sich gegenseitig, und genau das macht die Attacke so überwältigend.
Spürbar · körperlich
Innerlich · seelisch
Der eigentliche Mechanismus
Fast alle Menschen begegnen einer Angst zuerst mit Ausweichen. Man fährt nicht mehr mit der Bahn, meidet das volle Lokal, sagt den Termin lieber ab. Kurzfristig funktioniert das – die Anspannung fällt ab, man hat es „geschafft“. Langfristig lernt das Gehirn daraus aber genau das Falsche: dass die Situation tatsächlich gefährlich war und die Flucht Sie gerettet hat.
So sitzt die Angst nach jedem Ausweichen ein Stück fester. Das Vermeiden ist nicht die Ursache der Panik – die liegt woanders. Aber es ist der Motor, der sie am Laufen hält und den Bewegungsraum Monat für Monat kleiner macht.
Irgendwann richtet sich die Angst nicht mehr auf die Situation, sondern auf die Attacke selbst: die Angst vor der Angst. Spätestens hier ist das ursprüngliche Thema fast in den Hintergrund getreten. Wo sich das mit Bewertung durch andere mischt, geht es fließend in soziale Angst über – und der größere Zusammenhang steht auf der Seite zum Thema Ängste abbauen.Jede vermiedene Situation ist eine Bestätigung, die die Angst nicht verdient hat.
Die stillen Sätze
Diese Sätze werden selten ausgesprochen. Sie laufen so leise mit, dass man sie kaum noch als eigene Gedanken erkennt:
„Was, wenn es wieder passiert?"
„Ich muss hier sofort raus."
„Diesmal ist es bestimmt das Herz."
„Alle sehen mir an, wie es mir geht."
„Lieber fahre ich gar nicht erst hin."
„Mit mir stimmt etwas nicht."
Und von außen kommt dann oft noch gut gemeinter Rat, der nichts besser macht: „Du hast doch nichts." „Andere können das doch auch." „Das ist nur eingebildet." Solche Sätze verstärken vor allem das Gefühl, mit der Sache allein zu sein. Hier müssen Sie nichts erklären und nichts beweisen – ich weiß, wie real das ist.
Mein Ansatz
Parallel bekommen Sie konkrete Regeln für Verhalten und Einstellung sowie Entspannungsübungen – alles auch schriftlich zum Mitnehmen. Konsequent angewendet, bringt das die Attacken in aller Regel zum Stoppen.
Sobald es Ihnen besser geht, holen wir Schritt für Schritt zurück, was Sie über die Zeit vermieden haben. Jede Etappe ist so bemessen, dass Sie sie schaffen – und mit jeder wird der Bewegungsraum wieder größer.
Panik hat fast immer etwas zu sagen. Im Gespräch schauen wir, was da an die Oberfläche will und keinen anderen Weg gefunden hat. Dieser Teil ist derjenige, der wirklich etwas abschließt.
Die ersten beiden Schritte erleben Sie schon innerhalb weniger Sitzungen, sodass Sie sofort etwas verändern können. Alles Weitere ergibt sich in Ihrem Tempo.
Bitte einmal ärztlich abklären
Wenn Sie ungewöhnliche Herz-Symptome haben, lassen Sie bitte vor Beginn einer Psychotherapie von Ihrem Hausarzt oder Kardiologen bestätigen, dass kein körperlicher Befund vorliegt.
Das ist keine Formalie, sondern entlastet doppelt: Es schließt Wichtiges aus – und nimmt der Angst vor dem Herzinfarkt oder einer anderen Krankheit bereits einen guten Teil ihrer Kraft.
Was Sie gewinnen
Es ist sehr anstrengend, Symptome dauerhaft zu unterdrücken und immer auf der Hut zu sein. Angenehmer ist der andere Weg – herausfinden, woher das kommt, und es abbauen:
Sie können es in überschaubarer Zeit selbst schaffen, wieder ein ganz normales Leben zu führen.
Jürgen Kühn
Der erste Schritt
Panikattacken lassen sich behandeln – das ist keine Beschwichtigung, sondern Erfahrung. Die meisten nehmen schon aus der ersten Sitzung etwas mit, das sie sofort anwenden können, und bekommen es zusätzlich schriftlich mit nach Hause. Wenn Ihnen der Weg in die Praxis gerade zu viel ist, beginnen wir von zuhause aus – per Telefon oder Video. Auf Termine warten Sie hier nicht monatelang.